Mutantenstadt 


In der Mutantenstadt

leben nur Mutanten,

sie trinken Wasser und Benzin

und besuchen die Verwandten.

Sie fahrn mit der Mutantenbahn

in die toten Zonen,

wo die Mutantenelternteile

in Blechcontainern wohnen.


Sie schaun in den Mutantenhimmel,

der grau ist wie Asphalt.

Ihre Körper sind beheizbar,

denn meistens ist es kalt.

Und in den Mutantenliedern

geht es nur um Liebe,

Liebe Liebe Liebe Liebe,

es geht nur um Liebe.


Und wenn jemand fragt:

Whats your favorite Bodypart?

Dann sagen die Mutanten:

The Heart the Heart the Heart.


In der Mutantenstadt

stehn alle Plätze leer,

es laufen höchstens mal Verwirrte

darauf hin und her.

Und auf den Plakaten heißt es:

lebe den Moment,

unter einem Bild von jemand,

der um sein Leben rennt.


Und wenn es Nacht wird, sieht man die

Mutanten Schlange stehn,

und gegen morgen aufgeladen

wieder nachhause gehen.

Was in der Zwischenzeit passiert,

könn‘ sie nicht beschreiben,

klar ist, dass es ihnen hilft,

am Ball zu bleiben.


Und wenn jemand fragt….


 

Wir halten die Welt fest


Stell dein Fahrrad an die Mauer,

sie ist noch warm von der Sonne,

wir sollten nett zu diesen Leuten sein.

Sie stehn z.b. auf der Treppe

und fragen: wo ist mein Schlüssel,

wer ist meine Freundin

und ist das überhaupt mein Haus?


Die Blätter der Bäume nehmen sich nicht so wichtig,

wenn es Herbst wird, falln sie einfach ab.

Wir treten sie mit Füssen, ganz so geht es eben auch nicht,

einfach braun werden - ohne einen Mucks.


"Du hast Ansprüche’ sagst du,

und ich schüttel nur den Kopf,

ich schüttel nur den Kopf in diesem Jahr.

Ich mag diese Strasse und die Luft zwischen den Blättern,

da ist so wenig, was ich sagen kann, und soviel Platz zu gehen.


Weil ich nicht anders kann, weil ich nicht anders will,

gebt euch mal die Hand, ihr seid jetzt Freunde.

Wenn du gerannt bist und dann atmest du

erschöpft in diesem Licht,

hat die Zukunft dich erreicht und jetzt ist Pause.


Ich wollte dieses sinnlose Reden

nicht aufhören lassen, nicht aufhören lassen.

Namen von Menschen, Namen von Sachen,

Namen von Songs, die dich unglücklich machen -

wir halten die Welt fest.


Stell dein Fahrrad an die Mauer,

sie ist noch warm von der Sonne,

dieses Hocken auf dem Pflaster

macht dich kaputt vor Sommer.

Auf dem Rasen sitzen Spatzen und verbringen ihre Zeit,

damit auf der Hut zu sein.


 

Das Wetter


Ich rede gern übers Wetter,

wie’s gestern war wie ich’s heute finde.

Das Wetter bringt uns zusammen,

egal wer wir sind.

Ist dir kalt, ist dir warm,

zieh Sachen an, bleib so,

ist das Regen - nein nur dreckige Fenster -

blow wind blow.


Ich rede gern übers Wetter,

ich geh gern frühmorgens raus,

da ist die Luft am deutlichsten

und noch nicht langsam raus.


Ich rede gern übers Wetter,

ich trink gern in der Sonne Bier,

morgen solls wieder kälter werden

und dazu nicken wir.


 


Rechte Philosophen


Rechte Philosophen starren in die Ferne,

trinken Wasser aus Stein.

Ja das Majestätische in den Gedanken,

so soll es sein.

Rechte Philosophen denken das es eigentlich

ja auch so ist,

wenn man auf den Tisch haut,

kommt die Wahrheit raus,

wenn du ehrlich bist.


Fern von den Menschen, nah an den Wäldern

gehn sie umher.

Sie reden in Zungen, vor Ochsen und Kälbern

und wollen doch mehr.

Sie steigen in Schluchten, rütteln an Tannen

und suchen das Licht.

Sie fordern das Schicksal, der Blitz soll sie treffen

und warum auch nicht.


Rechte Philosophen träumen von der Tiefe,

träumen vom Leid.

Sie sitzen nackt im Sessel und benutzen die Begriffe

wie ein Überkleid.

Die Falten ihrer Körper gleichen den Gebirgen,

zerklüftet und kahl.

Wenn sie gehen müssen, soll alles verschwinden,

es war einmal.


Fern von den Menschen...


 

Klaus & Klaus


Merkst du das gar nicht, sagt Klaus zu Klaus,

die Wirklichkeit sieht jetzt ganz anders aus.

Irgendjemand dreht dauernd die Wärme raus

und alles ist so hochauflösend.


Klar wir singen noch immer das alte Lied

und wir gucken genauso wie auf dem Bild.

Wir schnippen mit den Fingern

und wir lächeln wie verrückt,

wir machen einfach weiter unsern Job.


Doch die Freude, die wir schenken, kommt als Verachtung zurück,

oder denk ich das nur, oder bin ich das selbst?

Wenn man irgendwo draufdrückt, tun sich Abgründe auf,

vielleicht sind die Menschen gar nicht echt.


Merkst du das gar nicht, sagt Klaus zu Klaus,

die Wirklichkeit sieht jetzt ganz anders aus.

Meine Autos, mein Garten, mein Herz und mein Haus

sind seit gestern eingeschneit.


Und ich winke übern Zaun wie mein eigener Geist,

ich mach alles ganz langsam, so gewinne ich Zeit.

Und wenn du mich fragst, wie ich eigentlich heiss’,

sag ich: an der Nordseeküste.


Doch die Freude...


Aber einsame Spaziergänge geben mir Kraft,

aber einsame Spaziergänge geben mir Kraft.


 

Neues Haus


In der Strasse, die ihr kennt, steht ein neues Haus

aus Stahl und Glas und Beton, seltsam.

Es will modern sein, funktional, doch das sieht man nicht,

weil dieses Haus aus Prinzip nicht mit den andern spricht.


Bewohner schaun vom Balkon mit einem Ausdruck von

Lust und Angst im Gesicht, den gab es früher schon.

Bei Hofe, auf der Jagd und am Kaffeetisch,

beim Sex mit der Magd und beim Fisch an der Angel.


Es ist immer dasselbe und was braucht man dafür,

einen Sicherheitsdienst und ein Schild an der Tür, das sagt:

Schluss, Aus, Ende, bewachtes Gelände,

wenn du nichts zu verbergen hast, dann zeig uns deine Hände.


Sie sind leer leer leer und das ist verdächtig,

sie sind leer leer leer und das brauchen wir echt nicht.

Du kannst machen was du willst, aber hier nicht so Rumlaufen,

du gehst doch auch nicht in Geschäfte, ohne was zu kaufen -

doch mach ich.


 

Platz der Republik


Ich wär gern kurz 15 Jahre alt

und dann raus zur Demonstration,

so wie gestern in Paris

am Platz der Republik.


Ich wusste erst nicht, worum es ging,

doch ich war sofort dafür

und später, als ich’s wusste,

noch viel mehr.


Sie sangen Lieder, die ich nicht verstand,

gleich nach der Schule, Hand in Hand,

liefen sie durch die Strassen.

Direkt in die Schilde der Polizei

und an den ganzen Leuten vorbei,

die beim Mittagessen saßen.


Die Stimmung war nicht militant,

aber auch nicht friedlich.

Es wurde geschoben, es wurde gerannt,

der Staat blieb unbeweglich.


Und der Ausdruck in den meisten

Gesichtern war leicht zu ersehn:

Es fühlt sich gut an, aber

irgendwie Scheiße trotzdem.


Und zurück in Berlin,

zurück vom Glanz dieser Tage,

dachte ich, diese Festung wird fallen,

eine Frage der Zeit, aber sonst keine Frage.


Sie sangen Lieder...


 

Der Rest vom Licht


Wenn es Nacht wird gehn die Leute

voller Erwartung vor die Tür,

viele denken sich: Hey heute

wird es richtig toll bei mir.

Wenn mich zum Beispiel jemand anspricht,

kenn ich einen guten Witz,

doch den erzähle ich erst später,

wenn wir betrunken sind.


Wenn es Nacht wird stehn die Leute

mit schönen Schuhn auf dem Trottoir,

wenn sie in diesen Schuhen tanzen,

denken alle wunderbar.

So glauben sie und warten später

nur noch auf ein Lieblingslied,

doch das kann ein bisschen dauern,

weil der DJ Profi ist.


Und am Himmel stehn die Sterne,

halten sich im Weltall fest,

doch was bei uns hier unten ankommt,

ist leider nur der Rest vom Licht.


Wenn es Nacht wird fahrn die Leute

mit ihren Autos durch die Stadt,

und sie drehen die Musik auf,

damit das Leben einen Soundtrack hat.

Sie sehen Industriegebiete, Einkaufsstrassen,

Mensch und Tier,

und manchmal sehen sie auch gar nichts,

weil sie müde sind.


Tage Nächte, Nächte Tage,

jeder kennt das alte Lied,

nachts ist wenn die Dinge träumen,

tags ist wenn man alles sieht.


Und am Himmel stehn die Sterne...


 


 

 

 

Das Gewicht der Worte


Die meisten sind immer

noch sehr sehr schlau,

sie wolln immer

noch alles sagen.

Aber das Gewicht der Worte,

aber das Gewicht der Worte

wird niemand mehr erschlagen.


Und wenn jemand

plötzlich verstummt,

dann kann man

das nirgends hörn.

Ich glaub ich geh dich besuchen,

ich glaub ich geh dich besuchen,

einfach um dich zu störn.


Und vielleicht

fahr ich mit der U-bahn,

und vielleicht

fahr ich mit dem Bus,

man erkennt mich

an einer Mischung aus:

was kommt da für

eine Mischung raus,

Hoffnung und Verdruss,

Hoffnung und Verdruss.


Denn während die einen

überall sind

und immer mit

sich im Reinen,

sagen andre: ich kann

mir gar nichts mehr anschaun,

ich kann mir gar nichts

mehr anschaun,

und dauernd muss ich weinen.


Denn zuerst

soll ich mich anziehn,

und dann geht

es aus dem Haus,

und dann bitteschön

den Mund auf,

und dann

soll da noch was raus,

und das fahle Licht

der Vergeblichkeit

liegt über der Szenerie,

am Wasser schrein die Möwen

nur so als Mimikri,

und nicht nur die,

und nicht nur die.


Und vielleicht...


 

Die Aquatones singen für dich


Wir saßen im Nebel

auf einer Bank,

die Stadt war verschwunden

und die Sonne sah krank aus,

ich schrieb auf ein’ Fahrschein:

entwerte mich -

und die Aquatones sangen für dich.


Ich fuhr mit dem Fahrrad

durch die Alleen,

die Augen voll Tränen

doch das Wetter war schön,

das warn seltsame Ferien für mich -

und die Aquatones sangen für dich.


Ich machte die Arbeit,

die man mir gab,

sie war sinnlos und einfach,

doch sie hielt mich auf Trab,

auch wenn ein Tag dem anderen glich -

die Aquatones sangen für dich.


Und nachts an den Orten,

die was bedeuten,

inmitten von Rauch

und unter den Leuten,

wars wie ein Zuhause für mich -

und die Aquatones sangen für dich.


Und auch wenn die Brachen

zwischen den Häusern

nur Lücken für die sind,

die sie veräußern,

bis endlich der Zauber zerbricht -

die Aquatones sangen für dich.


Es waren vier Teenager

in Nineteenfiftyeight,

sie hatten eine Single

and they didnt want to wait,

es kam genau richtig,

trotzdem out of the blue -

die Aquatones sangen for you.


 

Klauen


Ich hab Geld aus

deiner Tasche geklaut,

und jetzt kaufe ich

damit ein.

Limonade Schokolade

und Salamisticks

liegen auf

dem Kassenband.


Die Sonne schien

in den Eingangsbereich,

deine Augen

gingen kurz zu.

Ich hab es ganz

instinktiv gemacht,

das hat man

irgendwann raus.


Es ist wie auf

einem Spielfeld,

jeder hat

seine Funktion.

Die meisten Figuren

haben ein Ziel

und vergessen,

wo sie grad sind.


Jetzt sitze ich

wieder am Brunnen,

wie so oft in

letzter Zeit.

Es fühlt sich

gut an, zu essen,

da sieht die Welt

gleich anders aus.


Jens setzt sich dazu,

ich kenn ihn kaum.

Er spielt Musik von

seinem Telefon,

er wippt andauernd so

hin und her,

viel schneller

als der Takt.


Die Schatten

werden schon länger,

jetzt kommt

eine komische Zeit.

Ich würde gern

irgendwo klingeln,

wo jemand wohnt,

der mich mag.


Ich hab Geld aus

deiner Tasche geklaut,

sie hing dir so

locker am Arm.

Ich hab es

instinktiv gemacht, einfach so,

und du hast

nichts gemerkt.


Ich hab Geld aus

deiner Tasche geklaut,

und jetzt kauf ich

damit ein.

Limonade Schokolade

und Salamisticks

liegen auf

dem Kassenband.

 


 Hyäne


Ich bewege mich

wie eine Hyäne,

halb seitlich und

erst mal aussenrum,

einen Schritt vor

und zwei zurück,

Drehung fürs Publikum.


Ich halte lieber

zu euch Abstand,

eure Gesten sind

entschlossen und leer,

durch eure Herzen

marschieren Bataillone,

und Kriegsschiffe

sichern das Meer.


Ich bewege mich

wie eine Hyäne,

ich fresse was

ihr übriglasst,

ich ernähre mich von

eurer Verachtung

und säuber mich

mit eurem Hass.


Ich halte lieber

zu euch Abstand,

wer schwach ist

erkennt seinen Feind,

ich bin taub für

jedes eurer Worte

und weiß trotzdem,

genau was ihr meint.


Ich bewege mich

wie eine Hyäne,

Staub auf meinem

löchrigen Fell,

Wachsamkeit ist

meine Agenda

und Scheitern

vergesse ich schnell.


Ich halte lieber

zu euch Abstand,

vermeide den

aufrechten Gang,

verwische

Ideen und Spuren

und ziehe an

keinem Strang.  

 

Über Pferde singen 

 

Ich weiß nicht mit der Natur 

sie wirkt manchmal so ausgedacht

neongrünes Moss zum Beispiel,

leuchtend in der Nacht.

 

Katzen sitzen in Fenstern

und imitieren Porzellan

oder du triffst sie im Hausflur

und sie sehen dich abweisend an.

 

Und die Menschen in meiner Strasse

bewegen sich so unkonzentriert

du siehst sie und denkst: gleich passiert was

und dann ist es auch schon passiert.

 

Und ich würde auch gern über Pferde singen

doch die kommen hier nur selten vorbei.

Sie laufen auf Posterndurch die Camarque

oder durch die Wallachei.

 

Ich weiß nicht mit der Natur,

meine Turnschuhe haben ein Loch,

der Regen muss ja nicht genau dahin fallen,

aber meistens tut er es doch.

 

Und die Menschen in meiner Strasse

stehn manchmal so komisch rum,

so als wären sie garnicht Teil der Geschichte,

so als wären sie nur Publikum.

 

Und ich würde auch gern…

 

Und so vergeht die ganze Zeit (4mal)

 

Und ich würde auch gern…

 

….