Eine andere Dimension


Vögel ziehn in die Stadt

die Wiese klettert aufs Dach

Autos fahrn in den Keller

Regen fällt

auf -Zu verschenken- Teller


Menschen liegen auf dem Gehweg

sie verschwinden nicht

wenn man den Kopf hebt

die Zukunft gibt es nimmer

dafür Gegenwart für immer


Er hat sich im Alltag verschanzt

das Gesicht nach innen geklappt

und dann einfach so

weitergemacht


Und in den Zwischenräumen

wohnen Cyberkids und träumen

von einer andern Dimension

Wach und müde zugleich

ein neues Königreich

das alte kennen sie schon


Im Halbschlaf Muskelaufbau

es muss perfekt sein

falls jemand draufschaut

doch die meisten

sind einfach beschäftigt

kaputt oder übernächtigt


Ja und woher kommt die Wut

wer sowas fragt dem geht’s zu gut

und wann geht sie wieder weg

oder bleibt es jetzt so


Er hat sich im Alltag verschanzt

das Gesicht nach innen geklappt

und dann einfach so

weitergemacht


Und in den Zwischenräumen...

 

Die Nachricht


Und dann kam die Nachricht

aber nicht mit der Post

an alle Bewohner

ich glaub wir sind lost

wir sahen uns an

und dann in die Gegend

verzogen die Münder

ein bisschen verlegen


Denn es gab ja noch Filme

es gab gutes Eis

die Winter warn seltsam

und die Sommer schön heiß

und wir dachten es geht noch

eine Weile so weiter

hier auf den oberen

Sprossen der Leiter


Und dann kam ein Grollen

hinter den Bergen

und manchmal ein Knirschen

unter der Stadt

es viel immer schwerer

die Angst zu verbergen

auch wenn man dachte

dass man gar keine hat


Und in den Gesprächen

häuften sich Fragen

und da war auch die Sehnsucht

wir gehen einfach zurück

und einige dachten

man darf gar nichts mehr sagen

und sagten es trotzdem

doch es brachte kein Glück


Und Dinge geschahen

und wir konnten nur zusehn

und eigentlich hatte

sie niemand gewollt

und jemand rief los

wir bleiben einfach im Weg stehn

und wurde fast lautlos

vom Zug überrollt


Und überall Zeichen

und überall Seher

und Überblickhaber

und Allesversteher

Beschreibung stand gleichwertig

neben dem Wahn

und viele verstummten

fingen gar nicht erst an


Die Vielzahl der Stimmen

galt uns als Versprechen

doch sie wurde verstärkt

bis zur Kakophonie

vor das Verstehen trat

die Erschöpfung

man hielt es nur aus

wenn man selber laut schrie


Oder den Blick hob

über die Dächer

Raben und Tauben

und Masten im Wind

das sind die Bilder

die uns täglich begleiten

und wirklicher als

die Gegenwart sind


Doch der äußere Raum

begann zu verschwinden

oder diente dem Innenraum

als Projektion

es war gar nicht leicht

ein Gegenüber zu finden

ohne zu denken

ich kenne dich schon


Leuchtende Schaufenster

sahn wir erblinden

sogar die Bäume

verloren ihr grün

und auf der Prachtstraße

Unter den Linden

wie hört sich das an

geh da lieber nicht hin


Aber jetzt kommen Neue

mit anderen Augen

ich kann mich nicht spiegeln

und ich denke ach

ich sehe die Schritte

und behaupte Vertrauen

und da wo ich schlafe

sind sie schon hellwach


Und sie machen Sachen

die ich nicht verstehe

gucken in Richtungen

wo ich nicht war

und wenn ich mich jetzt

zum Fenster umdrehe

weht der Vorhang beiseite

und der Himmel scheint klar

weht der Vorhang beiseite

und der Himmel scheint klar

 

Neue Sachen
 

Ich spiel jetzt wieder mehr Gitarre

ich häng jetzt wieder länger rum

ich geh nochmal den Weg von gestern

durch die Abenddämmerung


Man sieht ja immer neue Sachen

wenn man die Dinge wiederholt

und was andre machen

kommt noch dazu


Und dann sind da noch die Wolken

und dann ist da noch der Mond

über all den Luxusbauten

in denen niemand wohnt


Kein Wind weht durch die leeren Räume

kein Blick fällt aus dem Dachgeschoss

ja der Boulevard der Träume

ist jetzt eine Geisterschloss


und wir sehn uns an der Kreuzung

wo ein Kaufhaus still verfällt

wir machen Zeichen wie Spione

aus einer alten Welt


Ich spiel jetzt wieder mehr Gitarre

ich häng jetzt wieder länger rum

ich geh nochmal den Weg von gestern

durch die Abenddämmerung

 

Allein mit der Natur


Allein mit der Natur war ich allein

diese seltsame Stille holte mich ein

ich schluckte und lief auf dem Feldweg entlang

mit einem unrunden stotternden Gang


Die Vögel hörte ich erst mit der Zeit

der Himmel war blau und der Horizont weit

nach Blumen roch es es roch auch nach Gras

aber warum erzähle ich das


Vielleicht weil ich dachte das jede Idee

so sehr davon abhängt was ich grad seh

wie nah oder fern mir die Eindrücke sind

bin ich zum ersten Mal hier oder war ich als Kind

von nichts anderm umgeben

und vielleicht ist es nur mein Geruchssinn der sagt:

so ist das Leben


Allein mit der Natur war ich allein

und alles was ich wusste fiel mir erst mal nicht mehr ein

ich war Haut und Knochen ich war Nase und Mund

ich war der Blick auf meine Füße

ich war Hummel und Hund

aber nur das Bellen und die Ruhe danach

das Zerren an der Kette und die Sonne auf dem Dach

der Hundehütte (und jetzt die Hummel bitte)


Allein mit der Natur war ich allein

doch die Stimmen die hörte konnten deutlicher nicht sein

sie kamen aus Wipfeln sie kamen vom Grün

sie lagen mir im Magen und sie kamen aus Berlin

und wollten reden

und so redeten wir bis die Sonne versank

über alles und jeden


und als die Dämmerung zunahm war es genug

ich fing an schneller zu gehen und später im Zug

schien dieser Tag schon zwischen andern zu stehn

ein hellerer Fleck verschwommen und schön

doch etwas davon bleibt zum Glück

in der Luft überm Feldweg zurück

ja etwas davon bleibt zum Glück

in der Luft überm Feldweg zurück.

 

Der Esel


Der Esel will nicht laufen

und ich werd nicht

versuchen ihn zu ziehn

es ist genauso weit zurück

wie's nach vorne weit ist

ihr könnt schon weitergehn


Ich setz mich auf den warmen Stein

er ist warm vom Sonnenschein

mehr zu tun fällt mir nicht ein

noch hab ich keinen Durst


Der Esel will nicht laufen

er schaut mich an

aus seiner Zeit

ich nicke ihm zu

doch ich geh nicht rüber

er tut mir leid aber

wohl nicht leid genug


Ich sitze auf dem warmen Stein

er ist warm vom Sonnenschein

der Augenblick schließt uns beide ein

unter wolkenlosem Himmel


Der Esel will nicht laufen

er bleibt für tausend

Jahre stehn

er hat kein Ziel vor Augen

und da ist wenig was ihn juckt

das ist gut anzusehn


Ich bleibe auf dem warmen Stein

er ist warm vom Sonnenschein

wegen mir könnte die Welt so sein

bis was andres kommt.


 

Mutantenstadt 


In der Mutantenstadt

leben nur Mutanten,

sie trinken Wasser und Benzin

und besuchen die Verwandten.

Sie fahrn mit der Mutantenbahn

in die toten Zonen,

wo die Mutantenelternteile

in Blechcontainern wohnen.


Sie schaun in den Mutantenhimmel,

der grau ist wie Asphalt.

Ihre Körper sind beheizbar,

denn meistens ist es kalt.

Und in den Mutantenliedern

geht es nur um Liebe,

Liebe Liebe Liebe Liebe,

es geht nur um Liebe.


Und wenn jemand fragt:

Whats your favorite Bodypart?

Dann sagen die Mutanten:

The Heart the Heart the Heart.


In der Mutantenstadt

stehn alle Plätze leer,

es laufen höchstens mal Verwirrte

darauf hin und her.

Und auf den Plakaten heißt es:

lebe den Moment,

unter einem Bild von jemand,

der um sein Leben rennt.


Und wenn es Nacht wird, sieht man die

Mutanten Schlange stehn,

und gegen morgen aufgeladen

wieder nachhause gehen.

Was in der Zwischenzeit passiert,

könn‘ sie nicht beschreiben,

klar ist, dass es ihnen hilft,

am Ball zu bleiben.


Und wenn jemand fragt….


 

Wir halten die Welt fest


Stell dein Fahrrad an die Mauer,

sie ist noch warm von der Sonne,

wir sollten nett zu diesen Leuten sein.

Sie stehn z.b. auf der Treppe

und fragen: wo ist mein Schlüssel,

wer ist meine Freundin

und ist das überhaupt mein Haus?


Die Blätter der Bäume nehmen sich nicht so wichtig,

wenn es Herbst wird, falln sie einfach ab.

Wir treten sie mit Füssen, ganz so geht es eben auch nicht,

einfach braun werden - ohne einen Mucks.


"Du hast Ansprüche’ sagst du,

und ich schüttel nur den Kopf,

ich schüttel nur den Kopf in diesem Jahr.

Ich mag diese Strasse und die Luft zwischen den Blättern,

da ist so wenig, was ich sagen kann, und soviel Platz zu gehen.


Weil ich nicht anders kann, weil ich nicht anders will,

gebt euch mal die Hand, ihr seid jetzt Freunde.

Wenn du gerannt bist und dann atmest du

erschöpft in diesem Licht,

hat die Zukunft dich erreicht und jetzt ist Pause.


Ich wollte dieses sinnlose Reden

nicht aufhören lassen, nicht aufhören lassen.

Namen von Menschen, Namen von Sachen,

Namen von Songs, die dich unglücklich machen -

wir halten die Welt fest.


Stell dein Fahrrad an die Mauer,

sie ist noch warm von der Sonne,

dieses Hocken auf dem Pflaster

macht dich kaputt vor Sommer.

Auf dem Rasen sitzen Spatzen und verbringen ihre Zeit,

damit auf der Hut zu sein.


 

Das Wetter


Ich rede gern übers Wetter,

wie’s gestern war wie ich’s heute finde.

Das Wetter bringt uns zusammen,

egal wer wir sind.

Ist dir kalt, ist dir warm,

zieh Sachen an, bleib so,

ist das Regen - nein nur dreckige Fenster -

blow wind blow.


Ich rede gern übers Wetter,

ich geh gern frühmorgens raus,

da ist die Luft am deutlichsten

und noch nicht langsam raus.


Ich rede gern übers Wetter,

ich trink gern in der Sonne Bier,

morgen solls wieder kälter werden

und dazu nicken wir.


 


Rechte Philosophen


Rechte Philosophen starren in die Ferne,

trinken Wasser aus Stein.

Ja das Majestätische in den Gedanken,

so soll es sein.

Rechte Philosophen denken das es eigentlich

ja auch so ist,

wenn man auf den Tisch haut,

kommt die Wahrheit raus,

wenn du ehrlich bist.


Fern von den Menschen, nah an den Wäldern

gehn sie umher.

Sie reden in Zungen, vor Ochsen und Kälbern

und wollen doch mehr.

Sie steigen in Schluchten, rütteln an Tannen

und suchen das Licht.

Sie fordern das Schicksal, der Blitz soll sie treffen

und warum auch nicht.


Rechte Philosophen träumen von der Tiefe,

träumen vom Leid.

Sie sitzen nackt im Sessel und benutzen die Begriffe

wie ein Überkleid.

Die Falten ihrer Körper gleichen den Gebirgen,

zerklüftet und kahl.

Wenn sie gehen müssen, soll alles verschwinden,

es war einmal.


Fern von den Menschen...


 

Klaus & Klaus


Merkst du das gar nicht, sagt Klaus zu Klaus,

die Wirklichkeit sieht jetzt ganz anders aus.

Irgendjemand dreht dauernd die Wärme raus

und alles ist so hochauflösend.


Klar wir singen noch immer das alte Lied

und wir gucken genauso wie auf dem Bild.

Wir schnippen mit den Fingern

und wir lächeln wie verrückt,

wir machen einfach weiter unsern Job.


Doch die Freude, die wir schenken, kommt als Verachtung zurück,

oder denk ich das nur, oder bin ich das selbst?

Wenn man irgendwo draufdrückt, tun sich Abgründe auf,

vielleicht sind die Menschen gar nicht echt.


Merkst du das gar nicht, sagt Klaus zu Klaus,

die Wirklichkeit sieht jetzt ganz anders aus.

Meine Autos, mein Garten, mein Herz und mein Haus

sind seit gestern eingeschneit.


Und ich winke übern Zaun wie mein eigener Geist,

ich mach alles ganz langsam, so gewinne ich Zeit.

Und wenn du mich fragst, wie ich eigentlich heiss’,

sag ich: an der Nordseeküste.


Doch die Freude...


Aber einsame Spaziergänge geben mir Kraft,

aber einsame Spaziergänge geben mir Kraft.


 

Neues Haus


In der Strasse, die ihr kennt, steht ein neues Haus

aus Stahl und Glas und Beton, seltsam.

Es will modern sein, funktional, doch das sieht man nicht,

weil dieses Haus aus Prinzip nicht mit den andern spricht.


Bewohner schaun vom Balkon mit einem Ausdruck von

Lust und Angst im Gesicht, den gab es früher schon.

Bei Hofe, auf der Jagd und am Kaffeetisch,

beim Sex mit der Magd und beim Fisch an der Angel.


Es ist immer dasselbe und was braucht man dafür,

einen Sicherheitsdienst und ein Schild an der Tür, das sagt:

Schluss, Aus, Ende, bewachtes Gelände,

wenn du nichts zu verbergen hast, dann zeig uns deine Hände.


Sie sind leer leer leer und das ist verdächtig,

sie sind leer leer leer und das brauchen wir echt nicht.

Du kannst machen was du willst, aber hier nicht so Rumlaufen,

du gehst doch auch nicht in Geschäfte, ohne was zu kaufen -

doch mach ich.


 

Platz der Republik


Ich wär gern kurz 15 Jahre alt

und dann raus zur Demonstration,

so wie gestern in Paris

am Platz der Republik.


Ich wusste erst nicht, worum es ging,

doch ich war sofort dafür

und später, als ich’s wusste,

noch viel mehr.


Sie sangen Lieder, die ich nicht verstand,

gleich nach der Schule, Hand in Hand,

liefen sie durch die Strassen.

Direkt in die Schilde der Polizei

und an den ganzen Leuten vorbei,

die beim Mittagessen saßen.


Die Stimmung war nicht militant,

aber auch nicht friedlich.

Es wurde geschoben, es wurde gerannt,

der Staat blieb unbeweglich.


Und der Ausdruck in den meisten

Gesichtern war leicht zu ersehn:

Es fühlt sich gut an, aber

irgendwie Scheiße trotzdem.


Und zurück in Berlin,

zurück vom Glanz dieser Tage,

dachte ich, diese Festung wird fallen,

eine Frage der Zeit, aber sonst keine Frage.


Sie sangen Lieder...


 

Der Rest vom Licht


Wenn es Nacht wird gehn die Leute

voller Erwartung vor die Tür,

viele denken sich: Hey heute

wird es richtig toll bei mir.

Wenn mich zum Beispiel jemand anspricht,

kenn ich einen guten Witz,

doch den erzähle ich erst später,

wenn wir betrunken sind.


Wenn es Nacht wird stehn die Leute

mit schönen Schuhn auf dem Trottoir,

wenn sie in diesen Schuhen tanzen,

denken alle wunderbar.

So glauben sie und warten später

nur noch auf ein Lieblingslied,

doch das kann ein bisschen dauern,

weil der DJ Profi ist.


Und am Himmel stehn die Sterne,

halten sich im Weltall fest,

doch was bei uns hier unten ankommt,

ist leider nur der Rest vom Licht.


Wenn es Nacht wird fahrn die Leute

mit ihren Autos durch die Stadt,

und sie drehen die Musik auf,

damit das Leben einen Soundtrack hat.

Sie sehen Industriegebiete, Einkaufsstrassen,

Mensch und Tier,

und manchmal sehen sie auch gar nichts,

weil sie müde sind.


Tage Nächte, Nächte Tage,

jeder kennt das alte Lied,

nachts ist wenn die Dinge träumen,

tags ist wenn man alles sieht.


Und am Himmel stehn die Sterne...


 


 

 


Die Helligkeit


Ich hab das Fenster angestarrt bis es verschwand

jetzt sitz ich stumm im Sessel

als wärs ein Liegestuhl am Strand

und der Himmel ist wolkenlos


Eine Taube lässt sich nieder und macht Dreck

kurze Bewegung mit dem Arm

dann ist sie wieder weg

und die Tage malen selbstvergessen Rahmen

um die Stunden die noch kommen

um die Stunden die schon kamen


Ich geh mal in die Küche warum nicht

oder doch in Bad und wasch mir das Gesicht

was im Spiegel zu sehn ist

was soll man dazu sagen

Dinge gucken Dinge

und Fragen stellen Fragen


Und der Sommer vor der Tür scheint nie mehr fortzugehn

vor lauter Helligkeit und Schönehit

ist die Angst fast nicht zu sehn

sie versteckt sich in den Schatten

und wenn es Nacht wird macht sie Licht

aber weil sie hier schon lange wohnt

erschüttert mich das nicht.


Ich hab den Bildschirm angestarrt bis er verschwand

jetzt bin ich Bild und Kommentar dazu

in einem Flächenland

ich wander durch die Ebenen in totaler Gegenwart

und vergesse das was eben war

wenn sich das nächste offenbahrt

und du hast kurz geschrieben

und ich hab kurz gelacht

und dann an was anderes gedacht


Und der Sommer vor der Tür....


Und das was uns umgibt ist meistens menschengemacht

und vieles was wir denken haben Menschen schon gedacht

dazwischen stehen Büsche und Bäume

schauen tagsüber nur zu und wachsen nachts in unsre Träume

Und der Sommer vor der Tür...

 

Wie ein Intalienisches Lied


Da wo die Stadt aufhört

der Staub zunimmt

der Asphalt bröckelt

und die Hunde schärfer sind


Zwischen neuen Lagerhallen

und mobilen Imbissen

gibt es ein Stückchen Wald

wo wir durch müssen


Wir sind ziemlich nutzlos

und nur an der Oberfläche

Fasane schaun uns an

Hintergrundrauschen Bäche


Jemand klopft Steine

in entfernten Einfriedungen

wir folgen Lichtinseln

und Wegbiegungen


Und die Sonne die eben noch da war

wer weiß ob sie morgen zurückkommt

sag du mir doch woher das Glück kommt

was machst du für ein Gesicht

das meiste versteht man erst später

oder glaubt es nicht wenn es geschieht

aber manchmal reißt etwas dein Herz auf

wie ein italienisches Lied


Der eine heißt zum Beispiel Guiseppe

der andre heißt einfach nur Sepp

sie sitzen nebeneinander auf Schaukeln

und rauchen


Die Zeit macht hier keine Pause

sie rast auch nicht einfach davon

wenn dir langweilig ist geh nachhause

wer will das schon


Wir schaun uns einfach den Himmel an

das könn wir stundenlang

bis uns schwindelig wird

ja wir schaun uns einfach den Himmel an

das könn wir stundenlang

dann falln wir um


Und die Sonne die eben noch da war...


 
Signale


Die Fenster verhängt

die Türen verrammelt

die Zwerge verschenkt

die Tomaten vergammelt

2 Zentner Konserven

im Schuppen geparkt

die Schulterzuckparade

im Supermarkt


Was du für den Mond hälts

halt ich für nen Trick

das ist doch nur Wasser

dafür ist es zu dick

wenn man hier aufstampft

klingts drunter hohl

das sieht aus wie ein Stoppschild

nein das ist ein Symbol


Und ich empfange Signale

unter die Haut

hab die Nerven gebündelt

und Antennen gebaut

sie reichen vom Dachboden

rauf bis ins All

ich steh in Verbindung

ich löse den Fall


Mein Name ist Hase

mein Code Elefant

in mir mischen sich

Schüchternheit mit Penetranz

das vertreibt zwar die Menschen

und ärgert die Hunde

doch ich bin mit ganz anderen

Mächten im Bunde


Wenn die Erde so rund ist

warum ist Holland dann flach

wenn der Weltraum so still ist

warum lieg ich dann wach

die Seele des Menschen

ist ein Fass ohne Boden

ich möchte im Gleichmut

der Ewigkeit wohnen


doch ich empfange Signale...


Es kommen Gewitter

es knallt in der Luft

die Sahne schmeckt bitter

und das Graubrot vermufft

ich bin zu allem bereit

wenn man mich ruft

ich bin bis zum bersten gespannt


Und ich empfange Signale...

 

Die Technik der Welt


Ich bin wirklich kein Profi

ich hab Amateur-Augen

wie kann ich wissen

was mit uns passiert

die Technik der Welt

entstand ohne mein Zutun

und man wird mich nicht rufen

wenn sie dann kollabiert


Doch wenn es zu klar wird

dann werde ich wirr

und wenn du es aufzählst

spiel ich es nach

und nicke im Rhythmus

und wandle die Fakten

zu/in einem fast unhörbar

murmelnden Bach


Ich bin wirklich kein Profi

ich hab Amateur-Augen

ich lasse das meiste unaufgeräumt

und bewege mich vorwärts

weil der Wind mir ins Kreuz weht

und manches wird sein

so als wärs nur geträumt


Ich hör was du sagst

und sogar was du nicht sagst

und jede Geste ist wie ein Bericht

dass was sie ausführt

und dass was sie weglässt

und der Riss in der Zeit

und die Lücke fürs Licht


Doch wenn es zu klar wird...

 


In der Wirklichkeit


Bist du das auf der Treppe

bin ich das in der Tür

hat das Licht den Weg gefunden

bis zu uns beiden hier


Wir öffnen alle Fenster

wir sehn uns ins Gesicht

und wenn dann einer blinzeln muss

ist das so schlimm nicht


Denn wir können nicht verlieren

wir geben einfach nach

siehst du uns zusammensinken

wie Tänzer weich und wach


Und auf dem warmen Boden

dehnen wir uns aus

Halme kitzeln unsre Haut

Insekten gibt es auch


Im Grunde braucht es keine Angst

der Himmel ist so weit

wir atmen auf und kommen an

in der Wirklichkeit.


 

 

Das Gewicht der Worte


Die meisten sind immer

noch sehr sehr schlau,

sie wolln immer

noch alles sagen.

Aber das Gewicht der Worte,

aber das Gewicht der Worte

wird niemand mehr erschlagen.


Und wenn jemand

plötzlich verstummt,

dann kann man

das nirgends hörn.

Ich glaub ich geh dich besuchen,

ich glaub ich geh dich besuchen,

einfach um dich zu störn.


Und vielleicht

fahr ich mit der U-bahn,

und vielleicht

fahr ich mit dem Bus,

man erkennt mich

an einer Mischung aus:

was kommt da für

eine Mischung raus,

Hoffnung und Verdruss,

Hoffnung und Verdruss.


Denn während die einen

überall sind

und immer mit

sich im Reinen,

sagen andre: ich kann

mir gar nichts mehr anschaun,

ich kann mir gar nichts

mehr anschaun,

und dauernd muss ich weinen.


Denn zuerst

soll ich mich anziehn,

und dann geht

es aus dem Haus,

und dann bitteschön

den Mund auf,

und dann

soll da noch was raus,

und das fahle Licht

der Vergeblichkeit

liegt über der Szenerie,

am Wasser schrein die Möwen

nur so als Mimikri,

und nicht nur die,

und nicht nur die.


Und vielleicht...


 

Die Aquatones singen für dich


Wir saßen im Nebel

auf einer Bank,

die Stadt war verschwunden

und die Sonne sah krank aus,

ich schrieb auf ein’ Fahrschein:

entwerte mich -

und die Aquatones sangen für dich.


Ich fuhr mit dem Fahrrad

durch die Alleen,

die Augen voll Tränen

doch das Wetter war schön,

das warn seltsame Ferien für mich -

und die Aquatones sangen für dich.


Ich machte die Arbeit,

die man mir gab,

sie war sinnlos und einfach,

doch sie hielt mich auf Trab,

auch wenn ein Tag dem anderen glich -

die Aquatones sangen für dich.


Und nachts an den Orten,

die was bedeuten,

inmitten von Rauch

und unter den Leuten,

wars wie ein Zuhause für mich -

und die Aquatones sangen für dich.


Und auch wenn die Brachen

zwischen den Häusern

nur Lücken für die sind,

die sie veräußern,

bis endlich der Zauber zerbricht -

die Aquatones sangen für dich.


Es waren vier Teenager

in Nineteenfiftyeight,

sie hatten eine Single

and they didnt want to wait,

es kam genau richtig,

trotzdem out of the blue -

die Aquatones sangen for you.


 

Klauen


Ich hab Geld aus

deiner Tasche geklaut,

und jetzt kaufe ich

damit ein.

Limonade Schokolade

und Salamisticks

liegen auf

dem Kassenband.


Die Sonne schien

in den Eingangsbereich,

deine Augen

gingen kurz zu.

Ich hab es ganz

instinktiv gemacht,

das hat man

irgendwann raus.


Es ist wie auf

einem Spielfeld,

jeder hat

seine Funktion.

Die meisten Figuren

haben ein Ziel

und vergessen,

wo sie grad sind.


Jetzt sitze ich

wieder am Brunnen,

wie so oft in

letzter Zeit.

Es fühlt sich

gut an, zu essen,

da sieht die Welt

gleich anders aus.


Jens setzt sich dazu,

ich kenn ihn kaum.

Er spielt Musik von

seinem Telefon,

er wippt andauernd so

hin und her,

viel schneller

als der Takt.


Die Schatten

werden schon länger,

jetzt kommt

eine komische Zeit.

Ich würde gern

irgendwo klingeln,

wo jemand wohnt,

der mich mag.


Ich hab Geld aus

deiner Tasche geklaut,

sie hing dir so

locker am Arm.

Ich hab es

instinktiv gemacht, einfach so,

und du hast

nichts gemerkt.


Ich hab Geld aus

deiner Tasche geklaut,

und jetzt kauf ich

damit ein.

Limonade Schokolade

und Salamisticks

liegen auf

dem Kassenband.

 


 Hyäne


Ich bewege mich

wie eine Hyäne,

halb seitlich und

erst mal aussenrum,

einen Schritt vor

und zwei zurück,

Drehung fürs Publikum.


Ich halte lieber

zu euch Abstand,

eure Gesten sind

entschlossen und leer,

durch eure Herzen

marschieren Bataillone,

und Kriegsschiffe

sichern das Meer.


Ich bewege mich

wie eine Hyäne,

ich fresse was

ihr übriglasst,

ich ernähre mich von

eurer Verachtung

und säuber mich

mit eurem Hass.


Ich halte lieber

zu euch Abstand,

wer schwach ist

erkennt seinen Feind,

ich bin taub für

jedes eurer Worte

und weiß trotzdem,

genau was ihr meint.


Ich bewege mich

wie eine Hyäne,

Staub auf meinem

löchrigen Fell,

Wachsamkeit ist

meine Agenda

und Scheitern

vergesse ich schnell.


Ich halte lieber

zu euch Abstand,

vermeide den

aufrechten Gang,

verwische

Ideen und Spuren

und ziehe an

keinem Strang.  

 

Über Pferde singen 

 

Ich weiß nicht mit der Natur 

sie wirkt manchmal so ausgedacht

neongrünes Moss zum Beispiel,

leuchtend in der Nacht.

 

Katzen sitzen in Fenstern

und imitieren Porzellan

oder du triffst sie im Hausflur

und sie sehen dich abweisend an.

 

Und die Menschen in meiner Strasse

bewegen sich so unkonzentriert

du siehst sie und denkst: gleich passiert was

und dann ist es auch schon passiert.

 

Und ich würde auch gern über Pferde singen

doch die kommen hier nur selten vorbei.

Sie laufen auf Posterndurch die Camarque

oder durch die Wallachei.

 

Ich weiß nicht mit der Natur,

meine Turnschuhe haben ein Loch,

der Regen muss ja nicht genau dahin fallen,

aber meistens tut er es doch.

 

Und die Menschen in meiner Strasse

stehn manchmal so komisch rum,

so als wären sie garnicht Teil der Geschichte,

so als wären sie nur Publikum.

 

Und ich würde auch gern…

 

Und so vergeht die ganze Zeit (4mal)

 

Und ich würde auch gern…

 

….